Tipps vom Bausachverständigen

 

In diesem Bereich geben wir Ihnen nützliche Tipps für Ihre Bauvorhaben, denn:

Vorbeugen ist besser als Nachbessern!

Da die persönliche Beratung durch einen Fachmann unentbehrlich ist, schließen wir Haftung und Gewähr für die Artikel aus.

 

Die Artikel in dieser Rubrik entstehen in Zusammenarbeit mit:

Sachverständigenbüro Bayr
Maurermeister / Dipl.-Ing. (FH) Gerhard Bayr
Sachverständiger für Hochbau
Krimnickallee 13
15711 Königs Wusterhausen
Tel. 033 75 / 29 43 40
E-Mail gbayr@gbayr.de

 

 


Die Bauwerksabdichtung

Für wohnlich genutzte Gebäude bedeutet der Schutz der erdberührten Bauteile einen der wichtigsten Punkte in der Planung und Bauausführung, um eine gesunde Wohnqualität und den langfristigen Erhalt der Bausubstanz zu gewährleisten. Somit ist der Bauwerksabdichtung - neben dem regensicheren Dach, der ausreichenden Wärmedämmung und der luftdichten Gebäudehülle - eine besondere Sorgfalt bei der handwerklichen Ausführung zu widmen.

Insbesondere bei Bauwerken mit Kellergeschoss erfordert eine umfangreiche Nutzung des Untergeschosses in Form des Aufenthalts der Bewohner oder der Lagerung hochwertiger Gegenstände die absolute Dichtigkeit gegenüber dem Wasser, das sich temporär infolge von Niederschlägen oder Durchfeuchtungen des Baugrundes im angrenzenden Erdreich sammelt.

Durch die hoch entwickelte Betontechnologie hat sich die Abdichtung von erdeingebundenen Bauwerken mittels Stahlbeton mit hohem Wassereindringwiderstand (Weiße Wanne) seit Jahrzehnten bewährt. Jedoch muss für diese Bauweise eingeschränkt werden, dass der in der allgemein üblichen Errichtung eines Einfamilienhauses eingesetzte Ortbeton nicht absolut dicht gegen Wasserdampfdiffusion in das Gebäudeinnere ist. Demzufolge bedingt die Ausführung einer weißen Wanne für ein Kellergeschoß mit gehobenen Ansprüchen an die Nutzungsqualität eine zusätzliche Abdichtungsebene als Dampfdiffusionssperre.

Ein in der Praxis weiterhin bekanntes Risiko bei der Ausführung eines Stahlbetonkellers ist die Ausführung von Arbeitsfugen in allen Bereichen von zeitlich versetzten Betonierabschnitten (z.B. Boden-Wand-Anschluss). Diese Arbeitsfugen werden durch verschiedenartige Dichtungssysteme derart ausgerüstet, dass mit dem Anschütten des Frischbetons eine wasserdichte Verbindung an das schon fertiggestellte Bauteil anschließt. Jedoch kann nach der Betonage das mittig im Bauteilquerschnitt liegende Dichtungssystem nicht mehr augenscheinlich geprüft werden. D.h. die Qualität einer Arbeitsfuge zeigt sich unter Umständen erst bei späterer Wasserbelastung durch eine extrem starke Schneeschmelze oder nach einem Regenereignis mit hoher Intensität.

Die herkömmliche Bauwerksabdichtung eines Kellergeschosses im traditionellen Mauerwerksbau erfolgt durch die Ausführung einer hautförmigen Abdichtungsfläche aus Bitumendichtungsbahnen oder durch spachtelmäßiges Auftragen einer kunststoffmodifizierten Bitumendickbeschichtung (KMB), jeweils auf der dem Wasseranfall zugewandten Seite des erdeingebundenen Baukörpers. Bei der bituminösen Abdichtung sollte der Ausführung mit Bitumenbahnen der Vorrang eingeräumt werden. Mit der regelgerechten Herstellung dieser Bahnen nach DIN 18195-3 besteht die Gewähr, dass genormte und somit geprüfte Baustoffe zur Anwendung kommen. Zwar hat sich auch die Materialgüte der plastisch zu verarbeitenden Bitumendickbeschichtung über Langzeit bewährt, jedoch bedingt der manuelle Spachtelauftrag auf die abzudichtende Fläche ein hohes Risiko der mangelhaften Leistung durch unzureichende Schichtdicke oder zu geringe Haftzugfestigkeit auf dem Untergrund aus Mauerwerk.

Bei der Anwendung der Bitumendickbeschichtung führt im Zuge der Erdverfüllung um den Baukörper der eintretende Erddruck häufig zu Beschädigungen der plastischen Bitumenschicht in Form des Eindrückens von Kanten der vorgestellten mechanischen Schutzschicht aus XPS-Hartschaumplatten. Weiterhin versagt oft die Dichtigkeit der Bitumendickbeschichtung durch das Eindrücken der Kegelnoppen einer Grundmauerschutzbahn in die Bitumenfläche, weil die Anordnung einer lastverteilenden Gleitschicht zwischen der Abdichtung und der Schutzbahn unterlassen wurde.

Letztlich entsprechen die zuvor erwähnten Abdichtungsarten alle dem Stand der Technik. Das Risiko einer untauglichen Bauwerksabdichtung steht bei handwerklicher Unzulänglichkeit für alle Varianten in Aussicht. Der sorgfältig gestimmte Bauherr ist gut beraten, dieses so wichtige Detail der Bauausführung, die Bauwerksabdichtung, vor der Wiederverfüllung der Baugrube durch einen sachkundigen Dritten kontrollieren zu lassen, denn Vorbeugen ist besser als Nachbessern.

 
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